Making of - Lost Innocence

  • Ich habe es vor einer Weile versprochen und hier kommt ein Postwork-Walkthrough, das ich vor einer Weile mitgeschrieben habe. Ich beschränke mich dabei nur auf die eigentlichen Postworkschritte und lasse mal weitere Bemerkungen außen vor.

    Verwendete Programme & Material:


    Poser Pro
    Photoshop CS3
    Wacom Grafiktablett


    Zum Setup:


    Wir haben einmal eine V4 – das ist Raiyas Noire in der Poser Ambient Occlusion Ausführung mit meinem Candy-Morph, da sich Candy noch einmal in ihrer sonnigen Form auf dem Medaillon wiederfindet und das Ganze entsprechend für das Bild wichtig ist. Das Medaillonbild wurde vorher gerendert und leicht nachbearbeitet – da es sehr klein zu sehen ist, war das Postwork dabei auch nicht so wichtig.
    Das Kleid ist das Cherry Blossom von Mada und Thorne mit den Grim Tales Texturen, die Bank stammt aus einem DM Paket und die Kerzen aus dem Sage Babylon.
    Die Szene an sich wird mit vier Lichtern ausgeleuchtet. Die Nutzung von globalen Lichtern habe ich mir abgewöhnt, da sie mE viel Stimmung aus einem Bild nehmen. Zwar ist es sicherlich bequem, eine perfekt ausgeleuchtete Tageslichtszene zu haben, aber da man ja nicht nur grüne Wiesen im Sonnenschein rendert oder die Models über den Laufsteg hetzt, gibt das meistens nicht so viel her.
    Hier gibt es also nur ein gefaktes IBL Licht in neutralem Grau, ein Infinite in einem helleren Grau, ein blaues Rimlight von rechts hinten, wo sich der Mond befindet und noch einen orangen Spot über den Kerzen.
    Ich muss auch sagen, dass ich persönlich mehr Wert auf Stimmung als auf superrealistisches Licht lege. Das hält jeder anders und es ist eine Frage des persönlichen Stils – ich halte es so.;)


    Gesagt werden muss, dass ich auf keinen Fall bei jedem Bild das gleiche Postwork in der gleichen Reihenfolge anwende. Die Grundelemente wiederholen sich zwar, werden aber bei jedem Bild angepasst. Sprich: ich arbeite anders, wenn ich ein photorealistisches Ergebnis erzielen will, als wenn ich eher „meinen“ typischen Bildcharakter erzielen möchte. Zudem ist das Ganze auch sehr von der Szene und der Beleuchtung, sowie verwendeten Elementen abhängig.


    Am Ende stimme ich also das Postwork auf den jeweiligen Render ab. Der eine braucht mehr davon, der andere weniger. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept aus passenden Handgriffen, die immer funktionieren und die man mühelos herunter spulen kann.


    So kann auch dieses Making Of nur Grundelemente vermitteln, deren Nutzung sich jeder selbst aneignen muss und über deren Sinn und Unsinn jeder selbst entscheiden muss. Letztendes macht das auch den persönlichen Stil aus. Es nutzt nichts, sich einfach blind auf eine gewisse Art der Führung zu verlassen. Das Auge und den Stil muss man selbst entwickeln, dabei hilft leider keine Anleitung der Welt.


    Schritt 1




    Hier haben wir also den eher unschönen Rohrender. Es gibt zwei kleine Fehlerstellen darauf, die ich mit Arearendern der fehlerhaften Bereiche behebe – in dem Fall steckte einmal die Kette des Medaillons in der Hand und zudem war am Ärmel eine Stelle kaputt, die nicht durch einfaches stempeln zu reparieren war, da sich sonst Netz und Stoff ins Gehege gekommen wäre.
    Diese Methode ist bei allerlei Fehlern anwendbar – steckendes Haar, löchrige Bereiche, usw. Dabei wird einfach der Arearender unter oder über den Render gelegt und dann mit dem Radierer sauber angepasst.


    Schritt 2




    Normalerweise rendere ich die meisten Bilder ohne Hintergrund und füge diesen erst später in die PNG Datei ein. Das lässt mir mehr Freiheiten bei der späteren Bildgestaltung und sorgt dafür, dass ich am Ende keine verpixelten Hintergrundbilder reparieren muss. Die Beleuchtung kann man mehr oder weniger im Postwork noch anpassen – was aber nichts daran ändert, dass die grundsätzliche Beleuchtung einer Szene immer wichtig für die Stimmung ist.
    Hier habe ich keinen fertigen Hintergrund genutzt, da ich eine gewisse Stimmung vermitteln wollte. Also ist der Hintergrund aus Brushes entstanden, die für die düstere, melancholische Atmosphäre gesorgt haben.


    Schritt 3




    Über den fertigen Bildaufbau kommt jetzt eine kleine Feinheit, die ich mir vor einer Weile angelegt habe, um mehrere Bilder für eine Sache auf die gleiche Art nachzubearbeiten. Und zwar befindet sich in meinem Photoshop eine selbstgebaute Aktion namens QuickPostwork, die ich gerne am Bildanfang verwende. Diese ist im Grunde nichts weiter als eine leicht erweiterte Zusammenfassung der ersten Schritte aus meinem Basic Postwork Tutorial.
    Wenn diese über das Bild gelaufen ist, kopiere ich die Bildebene und setze den Ablauf zurück, um die bearbeitete Ebene auf einem geringeren Prozentsatz transparent über das unbearbeitete Bild zu legen. Hier waren das 40%, das kann aber je nach Bild variieren. Das tu ich im Grunde, weil mir die volle Veränderung auf den meisten Bildern nicht gefällt, zu dunkel, zu ausgewaschen oder zu kontrastreich wird.
    Theoretisch kann man natürlich auch einfach die Bildebene sperren und das gleiche auf der kopierten Bildebene darüber inszenieren, aber ich bin es wohl einfach auf die kompliziertere Art und Weise gewohnt.


    Schritt 4




    Nun kommt ein altbekannter Schritt – ich lege eine neue Ebene an und fange mit Highlights für Augen, Haar, Lippen und Kleidung an. Sprich, eine neue Ebene wird erstellt und auf Ineinander kopieren gesetzt, darauf male ich dann mit weißer Farbe meine Highlights. Es folgt Gaußscher Weichzeichner mit einem Radius, der sich zwischen 5 und 15 Pixeln bewegt, danach stelle ich die Ebene auf 80% und füge sie mit der unteren zusammen.


    Schritt 5




    Nach Licht folgt Schatten und dies ist in dem Fall der Nachbelichter, der auf Mitteltöne steht. Hier arbeite ich unter anderem Mund, Nasenlöcher und Augenbrauen nach, um die Farbe bzw. Dunkelheit an diesen Stellen zu vertiefen und beispielsweise richtig tiefschwarze Augenbrauen passend zur Haarfarbe zu produzieren.
    Gerade bei Nasenlöchern und Lippen ist es zudem wichtig, das Licht ziemlich komplett aus den engen Öffnungen zu entfernen, damit diese realistischer wirken können. Leuchtende Nasenlöcher sehen selten attraktiv aus.
    Da Nachbelichter gerne mal in einer sehr verbrannt wirkenden, rötlichen Tönung endet, folgt hier auch nochmal der Schwamm mit Sättigung verringern – speziell auf Augenbrauen, um die Farbe zu ziehen, die sonst eher rot wirkt. Dieses Verfahren eignet sich auch gut, wenn man aus rötlichen Brauen neutrale zaubern möchte, um sie der Haarfarbe anzupassen.
    Auch sonst fahre ich die Stellen nach, die mE ein wenig mehr Tiefe brauchen, in den Schatten treten sollen oder eben plastischer wirken könnten.
    Zuletzt arbeite ich mit dem Pinselweichzeicher über kantige Stellen – das produziert z.B. weichere Schatten an den Nasenlöchern oder dem Lippenspalt.[/align]


    Schritt 6




    Jetzt kopiere ich die bearbeitete Ebene und gebe etwas mehr Kontrast über den Kontrastregler auf dem kopierten Bild dazu. Stellen, die zu hell geworden sind, radiere ich ab, um das ursprüngliche Bild darunter zu erhalten. Durch den Kontrast wirkt das Bild deutlicher und klarer, gewinnt auch an Lebendigkeit. Die Ebenen werden dann wieder zusammengefügt.
    Durch die Farbbalance gebe ich mehr Cyan und Blau dazu, um die Farbe des Lichtes an die Nachtszene im Mondschein anzupassen.


    Schritt 7




    Wieder wird die zuvor zusammengefügte Ebene kopiert. Es folgt ein kleiner Trick, um den unteren Bereich des Bildes ein wenig mehr in den Schatten zu legen – dazu benutze ich Filter / Renderfilter / Beleuchtungseffekte / Spot und drehe so lange an den Reglern, bis der Effekt meinem Geschmack entspricht. Schließlich radiere ich den Kreiseffekt ab, den der Spot mit sich gebracht hat, damit ich wirklich nur unten den Schatten erhalte.
    Es folgen mehr Licht und Schatten nach dem zusammenfügen der Ebenen, wie zuvor in Schritt 4 & 5.


    Schritt 8




    Zeit, sich auch um die Umgebung und die Kerzenleuchter zu kümmern und dem Ganzen etwas mehr Kontur zu verpassen. Hier kommen Highlights, Nachbelichter und sparsam auch der Abwedler zum Einsatz, um Licht und Schatten mehr herauszuarbeiten. Dabei kümmere ich mich auch noch einmal um das Gesicht.


    Schritt 9




    Ein optionaler Schritt ohne große Notwendigkeit für das Ergebnis – hier nutze ich drei Filter auf jeweils neuen Ebenen – einmal einen Ambience Filter auf 15% Ebenendeckkraft, einen Filter namens Disposeable, der eine leichte Körnung verursacht auf 25% und einen abdunkelnden Filter namens Snap, der mit dem vorherigen zusammen auf eine Ebene gekommen ist. Das Ganze ist kein Muss, gibt allerdings noch ein wenig mehr Kontrast dazu.


    Schritt 10




    Und wieder gibt es stellenweise Highlights, um spezielle Bereiche zu betonen und die Konturen noch einmal zu verstärken. Auch die Farbbalance kommt zum Einsatz, um den mittlerweile ins Orange abgedrifteten Farbton wieder gerade zu rücken und noch einmal etwas mehr Schatten über den Nachbelichter.
    An dieser Stelle ist jedoch Ende mit dieser Art der Bearbeitung, da jetzt die Gefahr besteht, das Bild mit zu viel Kontrast zu überpostworken.


    Schritt 11




    Die Kerzen erhalten nach dem Highlightprinzip und oranger Farbe anstelle von Weiß einen warmen Schein, der bis auf die Figur ausstrahlt. Die Kerzenflammen werden mit dem Wischfinger ein wenig unregelmäßiger gemacht, da sie auf keinen Fall alle komplett gerade und gleich wären.
    Aber Achtung – der Wischfinger ist ein gemeines Tool, dessen Einsatz nur sparsam und in wenigen Fällen erfolgen sollte. Normalerweise macht man damit mehr kaputt, als es einen Nutzen haben kann.


    Schritt 12




    Es folgen die Detailarbeiten, auf die ich aber nicht mehr allzu genau eingehen will, da ich das schon an anderer Stelle erwähnt habe. Mit Stift und Tablett werden Augen und Haare noch weiter nachbearbeitet (Augen siehe [Postwork] Basic Postwork 2 - Das feine Detail ), bis das Bild meinen Vorstellungen entspricht.
    Danach kommt noch ein wenig mehr Kontrast über das Ganze – und voilá – wir sind fertig.


    Und hier nochmal als Minifilm um das Ganze im Zusammenhang anschauen zu können - wenn auch in nicht so toller Qualität.