• So, hier ist es also – das Tutorial, wie man Poserfiguren etwas weniger steife Mähnen verpasst.;-) Natürlich klappt das auch bei allerlei anderen Malereien, aber in meinem Fall habe ich die Haare eben auf eine Poserlady gepappt.


    Einleitung


    Aber zuerst noch ein paar Worte vorweg – die in diesem Tutorial vorgestellte Art des Haare Malens funktioniert bei mir wunderbar – das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass jeder prima damit klarkommt.
    Ich habe ziemlich viele Tutorials zu diesem Thema gelesen und ausprobiert, konnte aber mit keiner der Techniken wirklich etwas anfangen – deswegen ist es enorm wichtig, einfach die Elemente zu nutzen, mit denen man gut klar kommt und aus diesen dann seinen eigenen Stil zu entwickeln. Das ist zwar ein langer und ziemlich frustrierender Prozess und die ersten Versuche sehen ziemlich bescheiden aus, aber am Ende zahlt es sich aus, wenn man einfach dran bleibt.
    Ok, kommen wir nun aber mal zum wichtigen Teil – was brauchen wir für dieses Tutorial? Erstmal natürlich ein anständiges Grafiktablett. Ich habe für dieses Tutorial ein winziges
    Wacom Volito benutzt. Das habe ich zwar mittlerweile gegen ein Besseres ausgetauscht, aber es hat mir damals vollkommen gereicht und frisst kein riesiges Loch in den Geldbeutel.
    Dann brauchen wir ein Grafikprogramm, das mit Ebenen arbeiten kann und das natürlich auch das Tablett unterstützt. Der Stiftdruck ist hier ziemlich wichtig, weil für dieses Tutorial eine Funktion namens ‚Verblassen’ genutzt wird und die Striche am Ende schön fein auslaufen sollen – das sieht einfach besser aus, als wenn man da klotzige Enden hat. Hier ist es ganz wichtig, dass man mal die Einstellungen im Programm ausprobiert, bis man seinen ultimativen Haarmalstrich gefunden hat.
    Ich selbst habe für dieses Tutorial Photoshop Elements benutzt – mittlerweile bin ich auf Painter umgestiegen und kann von daher sagen, dass dieses Tutorial auch darin funktioniert.
    Ich habe nie versucht mit einer Maus zu arbeiten, von daher kann ich dazu nichts sagen – aber ich würde das Tablett wirklich wärmstens empfehlen.
    Und es ist besser, wenn ihr euch das Tutorial vor dem Anfangen einmal in Ruhe durchlest, damit ihr einen Überblick über die einzelnen Vorgänge gewinnt und dann nicht in irgendwelche Fallen stolpert. Sonst kann es ein wenig unübersichtlich werden.
    So, genug geblubbert – auf geht’s!



    Schritt 1


    Gut, hier haben wir also eine wunderbar graue Masse – nämlich die Grundform der Frisur. Diese befindet sich auf einer zuvor angelegten neuen Ebene über dem Bild und wurde mit einem weichen Pinsel / Airbrush, was auch immer aufgetragen. Das geht natürlich auch mit einer harten Pinselspitze – da muss man einfach seine persönlichen Vorlieben einfließen lassen und ausprobieren womit man besser klarkommt.
    Hier ist es sehr wichtig, darauf zu achten, dass die Striche weich fließen und locker fallen – Haar ist voller Bewegung und hängt nicht einfach nur gerade herunter – es darf auf keinen Fall blockig aussehen.
    Erinnert ihr euch an den Vortrag über den Stiftdruck? Hier kann man das ganz gut sehen – die Enden laufen spitz aus anstatt gerade, was das Haar wesentlich natürlicher aussehen lassen wird. Die Größe der Pinselspitze für diese Grundform hängt von der Bildgröße ab – hier waren das ca. 25 – 35 Pixel, evtl. sogar noch mehr. Bei einem sehr kleinen Kopf kann das bis auf 6 Pixel schrumpfen.
    Und warum um Himmels Willen ist das Ding hier grau? Ja, ich weiß nicht woran das liegt, aber für mich ist es wesentlich einfacher, wenn ich einfach mit Grau in Grau anfange – ich neige dazu, das Bild zu versauen wenn ich sofort Farbe benutze. Grau macht es leichter für mich, mit Lichtern und Schatten nicht durcheinander zu kommen. Später wird dieser graue Wust natürlich eingefärbt und verfeinert. ;)



    Schritt 2


    Fein, seid ihr mit eurer Grundform zufrieden? Dann machen wir doch einfach mal mit dem ‚angenehmen’ Teil weiter. Zuerst packen wir eine neue Ebene über die Grundform – ihr könnt ihr einen Namen geben oder auch nicht – ich tue das normalerweise beim Haare malen nicht, weil ich die Ebenen sehr oft miteinander verschmelze und es sich dabei absolut nicht lohnt.
    Und nun schnappen wir uns unsere schicke, weiche 2 Pixel Pinselspitze. Ja, zwei Pixel – ich weiß, es ist grausam, aber es wird noch schlimmer kommen.;-)
    Überprüft besser noch einmal, ob das gute Stück auch richtig eingestellt ist, von wegen verblassen, usw. Dann suchen wir uns ein helleres Grau als das von der Grundform und legen fein säuberlich die Haarsträhnen auf der neuen Ebene an.
    Ja, das ist keine tolle Arbeit und dauert erstmal ordentlich lange. Achtet auf die Richtung, in die das Haar fließt – das ist sehr wichtig, damit die Sache am Ende auch natürlich aussieht. Einfach wild Striche aufmalen wird keine sehr guten Ergebnisse bringen. Ebenso wenig vollkommen gerade Striche, die ohne jegliche Form speermäßig nach unten verlaufen. Die Haare müssen fließen und weich fallen.
    Gut, fertig damit? Dann nehmen wir ein noch helleres Grau und wiederholen die ganze Prozedur. Ihr könnt das je nach Unsicherheit auch auf einer frischen Ebene tun – ich hab allerdings die helleren Striche einfach auf die gleiche Ebene gemalt.



    Schritt 3


    Soweit alles ok? Schön, dann betrachten wir uns nun die Haarspitzen. Aller Wahrscheinlichkeit nach sieht man nun die etwas blockige Grundform und darüber die helleren Striche auf der anderen Ebene. Das kann natürlich nicht so bleiben – also nehmen wir nun den Radierer (einen weichen bitte!) und radieren damit ein wenig von der Grundform weg, damit man nun anstatt der dicken Grundform die feinen Striche sieht.
    Vergleicht hier einfach die Bilder miteinander, damit ihr besser sehen könnt was ich meine.



    Schritt 4


    Fertig? Dann reduzieren wir nun die Haarebenen (auf keinen Fall mit der Hintergrundebene!) auf eine einzige. Damit bleibt dann eine komplette Haarebene über dem armen Glatzkopf zurück. Ja, es wird Zeit, endlich die Haare zu färben und den Alterungsprozess zu stoppen.
    Auf geht’s in Richtung des Farbton / Sättigung Schiebers, oder wie auch immer das gute Stück in eurem Programm heißt. Jetzt färbt ihr die graue Haarmasse je nach Wunschfarbe komplett ein, indem ihr euch durch Regler schieben die passende Farbe aussucht.
    Tja, mein Fehler hier ist, dass ich die denkbar schlechteste Wahl getroffen habe, um diese Option zu demonstrieren – nämlich schwarzes Haar, das zudem mit dieser Technik noch elendig blöd zu verarbeiten ist.
    Ich habe hier also nun ein hässliches Dunkelgrau, während ihr wahrscheinlich ein nettes Blond, Rot oder sonstiges habt.



    Schritt 5


    Jetzt wird’s endgültig brutal. Wir legen eine neue Ebene an und wählen dann die weiche 1 Pixel (!) Pinselspitze aus. Ich darf hier nun in einem hellen Grau arbeiten, ihr habt wahrscheinlich eine Farbe gewählt (weise Entscheidung) und dürft mit der Pipette diese Farbe anwählen, davon dann eine hellere Schattierung suchen und... tja... malen. Genau, dieses Schicksal teilen wir. Nun kommen feine Striche mit dem fiesen 1 Pixel Teilchen.
    Alles jammern nutzt hier nichts – es muss sein, so weh das tut. Jeder größere Pinsel würde hier schlimm aussehen.



    Schritt 6


    Fertig? Mit den Nerven sicherlich.;-) Aber es nutzt nichts – es geht weiter. Und zwar in einer helleren Schattierung eurer Farbe und einer weiteren Ebene voller hübscher 1 Pixel Striche. Nehmt auf keinen Fall reines Weiß für diese hellen Lichter – das würde künstlich aussehen. Hier ist einfach das richtige Maß wichtig. Natürlich könnt ihr auch die Farbtöne ein wenig variieren – aber auch hier ist wichtig, dass es nicht übertrieben wird. Sonst habt ihr am Ende ein buntes... unfeines Ergebnis. Und so macht ihr nun weiter, bis ihr zufrieden seid.
    Hier muss jetzt irgendwann die Entscheidung fallen, wann die Haarstrichelarbeiten beendet werden dürfen. Hört man zu früh auf, sieht das Haar flach und unfertig aus, hört man zu spät auf und hat zu viele Farben auf dem Kopf ist es wenig besser.
    Selbst wenn das Haar fertig aussieht, ist es meist nicht schlecht, noch einmal darüber zu gehen. Meist wird es dann sogar noch besser, obwohl man es nicht erwartet hätte.
    Was auch ziemlich hilfreich ist, besonders dann wenn man mal übertrieben hat, ist den Kontrast ein wenig zu vermindern. Es schadet auch überhaupt nicht, wenn man öfter mal den Farbton und die Sättigung reguliert. Ich selbst hänge eigentlich dauernd am Regler – also eine Ebene aufmalen, zusammenfügen, Kontrast vermindern, nachfärben, usw.



    Schritt 7


    So, wir nähern uns langsam dem Ende, aber ein bisschen was ist noch für die Feinheiten zu tun. Es ist Zeit, sich über Lichter und Schatten Gedanken zu machen, falls ihr das nicht während dem Malen schon getan habt.
    Dazu reduzieren wir wieder unsere Haarebenen auf eine und legen dann eine frische Ebene darüber, die wir bei den Ebeneneigenschaften auf ‚Ineinanderkopieren’ stellen.
    Nun suchen wir uns das reine Weiß, das zuvor ja immer vermieden werden sollte und nehmen uns eine weiche, große Pinselspitze (ich hatte hier eine 100 Pixel Pinselspitze). Jetzt legen wir punktweise die Highlights auf, tragen praktisch weiße Pünktchen da auf, wo das Haar am meisten Licht auffangen wird. Auch hier ist experimentieren einmal mehr angeraten.
    Arg hell, nicht wahr? Also jagen wir den Gaußschen Weichzeichner über diese Ebene – die Stärke richtet sich wieder nach der Bildgröße – bis die Lichter natürlicher wirken. Noch dazu kann man die Ebene etwas transparenter einstellen. 60 – 80% sollten im Normalfall genügen, um anständige Lichter zu erzeugen.
    Ein bisschen wedeln mit dem Nachbelichter schadet hier auch nicht, um dem Haar Tiefe zu geben und es realistischer erscheinen zu lassen. Aber Vorsicht – wenn das übertrieben wird, hat man entweder viel zu grelles Haar oder man schluckt damit die ganze Farbe.
    Und noch etwas sehr wichtiges – verschmelzt die Ebene mit den Highlights auf keinen Fall vorzeitig mit dem Haar, sonst bekommt ihr sehr hässliche Flecken auf eurem gesamten Bild. Das darf erst zum Schluss getan werden, wenn am Haar nichts mehr zu tun ist und die Ebenen ausnahmslos alle auf eine reduziert werden.



    Schritt 8


    Gut, wenn alles fertig ist, wird es Zeit sich um die Details zu kümmern, die die ganze Zeit zu kurz gekommen sind. Und zwar widmen wir uns dem Haaransatz – mit der 1 Pixel Pinselspitze. Feine Striche werden am Ende einen realistischen Haaransatz erschaffen haben – schließlich müssen die Strähnen ja irgendwo her kommen. ;-)
    Dann sollten auch die letzten Reste der blockigen Strähnen verschwinden, indem ihr feine, fließende Haare auftragt, die sich gegen die Konformität sträuben und ihren eigenen Weg einschlagen. Diese dürfen, nein, sie müssen sogar die Grundform der Haare durchbrechen.
    Haare legen sich nicht alle brav in die gleiche Richtung, sondern führen ein Eigenleben, eine Sache, die wir hier mit feinen 1 Pixel Strichen andeuten.
    Legt noch mehr Lichter auf, wenn ihr es für notwendig erachtet, malt ein paar einzelne Striche in das Gesicht, schaut euch die Haarspitzen an und malt noch mehr feine Strähnen hinein, bis sie gut aussehen und nichts mehr an eine blockige Grundform erinnert.
    An dieser Stelle kann ich euch nicht mehr viel erzählen – ihr müsst selbst ausprobieren, was euer Haar noch besser aussehen lassen wird und wie ihr diese Elemente am Besten anwendet. Vergesst am Ende aber keinesfalls, noch Schatten unter der Haarebene anzubringen, damit das Haar an Tiefe gewinnt – denn da wo das Haar ins das Gesicht fällt oder den Körper berührt, wird es auf der Haut oder auf Kleidern Schatten erzeugen.



    Und das war's!


    Damit endet dieses kleine Tutorial. Ich hoffe, dass ich euch ein wenig dabei helfen konnte, euren Weg durch die Haarmalerei zu finden oder die ein oder andere Anregung bieten konnte.
    Das Bild in diesem Tutorial ist mittlerweile ein bisschen älter und vom heutigen Standpunkt aus muss ich sagen, dass man daran einiges besser machen kann (es wirkt einfach noch sehr flach und etwas blockig) – aber genau darum geht es ja am Ende. Sich immer weiter zu verbessern.
    In diesem Sinne – viel Spaß beim ausprobieren! :)