Basic Portrait Postwork

  • So, nachdem ich heute Morgen bei DAZ die kleine Tisa erworben habe, möchte ich das Mädel gerne für ein ebenso kleines Tutorial zum Thema Portraits benutzen. Dabei soll es ein wenig um die Zusammenstellung und vor allem um das Thema Postwork gehen.


    Brauchen werdet ihr ein Grafikprogramm, mit dem ihr den Render dann auch nachbearbeiten könnt. Ich selbst benutze dazu Photoshop, aber die jeweiligen Tools solltet ihr auch in jedem anderen Programm finden können.

    So, fangen wir also mit ein paar allgemeinen Bemerkungen an. Die Pose ist bei einem Portrait ziemlich wichtig. Viele Posen sind für ein Portrait nicht geeignet und ich persönlich finde es ziemlich seltsam, wenn da ein nach oben verdrehter Schädel gen Himmel blickt und man alle Nicht-Schokoladenseiten des armen Charakters sieht. Ein gelungenes Portrait beinhaltet eben auch eine gelungene Pose – und nicht einfach irgendeine, die man mal eben auf Face-Camera eingestellt hat und dann lustig rendert.


    Ich habe Tisa also einen sehnsuchtsvollen Blick in die Ferne verpasst und eine Pose gewählt, bei der sie die Hände auf die Brust legt. Hände sind ein Element, das in Portraits gerne genutzt wird. Allerdings sollten sie nicht riesenhaft im Vordergrund stehen und es sollte nicht unbedingt der halbe Arm daran hängen, der schick hinter dem Kopf verschränkt ist. Das ist dann kein Portrait mehr, sondern eben eine reine Nahansicht, die man mal der Bequemlichkeit halber so nennt.


    Zudem muss man ein bisschen aufpassen, je näher man die Person heranholt – ganz leicht entsteht dabei ein hässlicher Glotzaugeneffekt, der über den Kameraregler gemildert werden kann (Focal auf 75 mm wirkt Wunder). Normalerweise sieht man bei einem Portrait aber ohnehin mehr als nur das Gesicht – das kann durchaus bis zur Taille gehen und beschränkt sich meistens auf die Brust. Es ist wichtig, mit der Kamera zu spielen. Die Face-Kamera ist ein Anfang, aber noch lange nicht perfekt so wie sie ist. Manchmal sieht ein Bild mit einer neuen Kameraposition viel besser und lebendiger aus.


    Dann die Materialien – es zahlt sich aus, wenn man nicht unbedingt die ersten 08/15 Materialien benutzt, die einem in die Hand fallen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, daß sie gerendert billig aussehen könnten. Viele Sachen die auf dem Markt sind, sind leider weder sonderlich gut, noch sorgfältig gearbeitet – da lohnt es sich, nicht mit der Mode zu gehen, sondern einen kritischen Blick zu verwenden.
    Nur gute Add-Ons werden am Ende auch ein gutes Bild abgeben. Halb verschmierte, verschwommene Texturen sind einfach nicht gut und sehen auch nicht gut aus, da kann man rendern und nachbearbeiten so lange man will. 3D muss nicht nach Billig 3D aussehen und ich möchte hier wirklich nicht arrogant klingen und bin auch kein Vollprofi, aber es ist halt eben einfach so. Es lohnt sich, ein Auge für gute Qualität zu entwickeln – die hat nicht viel mit dem persönlichen Geschmack zu tun, sondern kann nüchtern festgestellt werden.


    Ich habe hier also Tisa’s Weekend Adventure verwendet. Die Texturen von Sarsa und Thorne sind eigentlich immer gut gemacht und auch das Hemdchen sieht ordentlich modelliert aus, also passt das schon mal.
    Die Haare sind Grace Lion Hair von Quarker mit Texturen von 3Dream, da ich persönlich die Standarttexturen weniger mag. Das Licht (Licht ist extrem wichtig!) ist eines meiner (uralten, nicht sonderlich tollen und falsch aufgesetzten) Portrait-Freebielichter, das ich etwas verändert habe (zum Thema Licht kommt später mal ein eigenes Tutorial) und der Hintergrund stammt ebenfalls von mir und kann HIER mit einigen anderen downgeloadet werden.


    1. Fehlersuche


    Gut. Gehen wir also erstmal auf Fehlersuche. Was mir bei einem kritischen Blick auf Tisa auffällt ist einmal, daß ein wenig Haar in ihren Schultern steckt. Das muss natürlich irgendwie da raus. Dann wirken ihre Augen ein etwas tot, was natürlich gerade bei diesen riesigen Augen sehr schade ist. Zudem kann ihr Arm ein wenig Postwork vertragen. Gut, behalten wir das also für später im Hinterkopf.



    2. Erste Änderungen


    So, als erstes werden wir hässliche Ränder ein wenig abmildern und dem Bild an sich ein wenig mehr Kontrast geben. Dazu duplizieren wir die Bildebene, geben den Gauß’schen Weichzeichner mit einem Radius von 10 Pixeln auf die obere Bildebene und stellen die Ebene dann auf „Ineinanderkopieren“. Hui, ganz schön rot geworden. Um das zu mildern, stelle ich die Ebene auf 30% ein. Im Anschluß reduzieren wir die Ebene wieder auf eine Einzige.



    3. Highlights!


    Gut, weiter geht’s. Wir legen eine neue Ebene an (nicht das Bild duplizieren, nur eine leere Ebene) und stellen diese ebenfalls auf Ineinanderkopieren. Nun schnappen wir uns eine weiche Pinselspitze, die relativ groß ist und malen mit weißer Farbe Highlights auf das Bild auf. Eben da, wo das Licht auch so am stärksten wäre.



    Da das jetzt ziemlich grausig aussieht, jagen wir erneut den Gauß’schen Weichzeichner mit einem Radius von 40 Pixeln (kommt auf das Bild an, das war hier schon sehr viel - normal reichen 5 - 10 Pixel) über die Ebene mit den Flecken und siehe da, schon viel besser. Jetzt noch die Ebene auf 60% einstellen und man sollte schon ein etwas attraktiveres Bild haben. Fein, wer hier übertrieben hat, kann noch ein wenig von den Highlights abradieren und das Bild dann wieder auf eine Ebene reduzieren.



    4. Wichtige Schritte und mehr Kontrast


    So, jetzt wird’s lustig, bzw. folgen einige Schritte schnell hintereinander, die am Ende die Schatten vertiefen und die Highlights noch etwas verstärken sollen.


    Zu diesem Zweck duplizieren wir nun unser Bild gleich zweimal und arbeiten dann auf der obersten (!!!) Ebene weiter.


    Wir verringern die Sättigung (Bild / Einstellungen / Sättigung verringern), damit es nur noch aus Graustufen besteht. Dann wenden wir eine Tonwertkorrektur an (Bild / Einstellungen / Tonwertkorrektur) – man kann eine automatische Tonwertkorrektur anwenden, aber manuell kommt das einfach viel besser. Ich bin nicht sicher, wie diese Funktion in anderen Programmen heißt, aber jedes Grafikprogramm müsste etwas ähnlich benanntes besitzen. Dabei zieht man verschiedene Regler, die dann das Bild entweder aufhellen oder abdunkeln. Es funktioniert also ähnlich wie einfach den Kontrast regeln, ist allerdings wesentlich besser, da man hier nicht einfach von hell nach dunkel zieht, sondern praktisch mischt.


    Wenn das geschehen ist, wenden wir den Gauß’schen Weichzeichner mit einem Radius von 5 – 10 Pixeln auf der grauen Bildebene an und stellen dann die Ebeneneigenschaften auf Ineinanderkopieren. Dann reduzieren wir diese Ebene mit der darunter liegenden auf eine, lassen aber die unterste Ebene dabei stehen.
    Herauskommen wird ein ziemlich dunkles Bild, was schon klarer macht, warum wir noch die Originalebene gelassen haben. Wenn wir nun nämlich die Deckkraft der oberen Ebene heruntersetzen (je nach Geschmack und Bild unterschiedlich – hier sind es 40%), erhalten wir ein nettes Bildgemisch mit schönen dramatischen, weichen Schatten. Natürlich werden die Ebenen nun wieder auf eine einzige reduziert.


    Na, die kleine Tisa hat sich schon ganz schön verändert, was? Es wird also Zeit, für die letzten Schritte.



    5. Schatten und Lichter


    So, schaun wir also mal, was noch zu tun ist. Als erstes wiederhole ich ein weiteres Mal Schritt 2 mit den manuell gesetzten Pinselhighlights und reduziere die Ebenen am Schluß wieder auf eine. Wie genau das aussieht, bleibt eurem Geschmack hinterlassen – ich habe die Deckkraft diesmal auf 20% gesetzt und vor allem Haare und Lippen betont. Es ist nicht nötig, noch mal alles zu betonen, was man vorher schon hatte – wir wollen lediglich die Details zum Leuchten bringen.


    Danach schnappe ich mir einen 200 Pixel starken, weichen Nachbelichter (Burn Tool), der auf Mitteltöne und 20% eingestellt ist. Damit vertiefe ich die Schatten rund um das Mädel und fahre auch noch einmal mit einem kleineren Nachbelichter ganz leicht über ihr Gesicht.
    Auch der Abwedler (Dodge Tool) bekommt nun seinen Einsatz. Er steht auf Mitteltöne und 10% und darf noch ein wenig Lichter vertiefen – das Ganze natürlich je nach Geschmack und nie übertreiben, denn sonst bleicht der Abwedler das Bild aus und nimmt die Leuchtkraft der Farben, während der Nachbelichter einfach alles zu arg ‚verbrennt’.



    6. Fehlerbeseitigung


    Ja, das ist doch schon ganz nett. Die Farben könnten etwas strahlender sein, also gehen wir noch einmal zu unserer Tonwertkorrektur und schauen, ob sich hier (natürlich am farbigen Bild!) etwas tun lässt.
    Wenn das zu unserer Zufriedenheit ausgefallen ist, wird es Zeit für die letzten Korrekturen. Dazu nehmen wir das Bild noch einmal genauer unter die Lupe. Siehe da, trotz Weichzeichner haben wir noch immer leicht pixelige Ränder. Damit die verschwinden, schnappen wir uns den Weichzeichner in Brushform (Größe 35 Pixel, Stärke 20%) und gehen noch mal über die pixeligsten Stellen. Die finden sich meist an den Rändern der Objekte – in diesem Fall rund um das Gesicht, an den Lippen, der Nase, den Fingern, der ganzen Silhouette.
    Aber Vorsicht – wirklich NUR die Ränder überarbeiten, denn sonst bleibt von unserem Bild nur eine verschwommene Masse übrig.


    Auch die Stelle, an der sich der Arm biegt ist mit dem Weichzeichner und dem Wischfinger bearbeitet worden, damit die harten Kanten dort verschwinden.


    Mit dem Wischfinger (oft auch Smudge Tool, Stärke 40%, Größe 5 Pixel, weich), gehe ich nun noch mal über die Haarsträhne, die in ihrem Oberarm steckt und ziehe die dort heraus (vorsicht, nicht zu doll, sonst macht man stattdessen Streifen), während ich die Strähne am Hals mit dem Nachbelichter noch ein wenig mehr im Schatten verschwinden lasse.


    Zu guter Letzt bekommt Madame nun noch zwei weiße Punkte in ihre Augen, damit die nicht mehr so tot wirken. Das mache ich normalerweise nur in sehr hartnäckig toten Fällen, wenn die Augen keine Reflektion besitzen – hier muss allerdings trotz Reflektion nachgeholfen werden.



    Und Schluß...!


    So, das war’s auch schon für den Anfang. Sicher ist das nicht die einzig Wahre und tollste Methode auf der ganzen Welt, um ein Portrait zu bearbeiten – aber sie kann helfen, einen Anfang zu finden, von dem aus man dann weitergeht.
    Es ist zudem ein sehr technischer Ansatz – es gibt auch durchaus Leute, die ihre Poserbilder übermalen. Auch damit lässt sich ein sehr schönes Bild erzielen. Ich rate deswegen jedem, einfach zu probieren und seinen eigenen Stil zu finden, der funktioniert.
    Was die genannten Größen angeht – mein Render hat eine Höhe von 1000 Pixeln besessen und entsprechend habe ich auch die Pinselspitzen gewählt. Das variiert natürlich. Ebenso wie die Prozentwerte – es ist wichtig, je nach Bild zu experimentieren, denn dies sind keine in Stein gemeißelten Regeln, sondern nur Ansätze.


    Wenn noch Fragen offen sind oder ich irgendwo zu schnell / zu ungenau war, dann fragt einfach nach.


    Und jetzt halte ich die Klappe und wünsche euch viel Spaß!


    Tisa einmal vorher...



    Und unser Endergebnis...



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